Es braucht wirklich Mut und Vertrauen, ein Leben mit Post-Covid zu führen.
Und dabei bin ich ja noch privilegiert, was den Schweregrad meiner Erkrankung betrifft. Ich bin nicht schwerstbetroffen und 24/7 ans Bett gebunden. Meine Belastungsgrenze ist nur sehr tief und mein Aktionsradius entsprechend stark eingeschränkt, und ich bin stets bemüht, Reize auf ein Minimum zu reduzieren und soziale Interaktionen zu vermeiden.
Die besonderen Momente des Lebens trotzdem zu erleben – auch wenn ich weiss, dass sie mich danach wahrscheinlich völlig aus der Bahn werfen werden – erfordert Mut. Denn das Danach tut weh und ist auch seelisch oft kaum auszuhalten. Der Tornado bricht in jedem Fall los und die bleierne Erschöpfung, die Migräne und die körperlichen Schmerzen sind ebenso voraussehbar wie das Chaos, das entsteht, weil ich kognitiv nicht in der Lage bin, die einfachsten Dinge des Alltags angemessen zu bewältigen.
Es braucht aber nicht nur Mut, sondern auch viel Vertrauen – das Vertrauen darauf, dass dieser körperliche und seelische Zustand wieder vorbeigeht und man wieder in ein Kräfteverhältnis zurückfindet, das handhabbar ist. Damit man die grossen Momente des Lebens nicht verpasst.
Denn am Ende bleibt die Frage: Was ist mein Leben?
Mein Leben ist für mich mehr und mehr: Im Moment anwesend sein zu können. In Verbindung zu sein – mit einem Menschen, einem Gedanken, einer Tatsache der Welt – und dies so zu erleben, dass daraus eine Erinnerung wird, die in meinem Herzen weiterlebt.
