Verantwortung ist nicht eine Sache, sondern ein Kontextnetz aus Elementen des Lebens, mit denen ich mich verbunden habe. Es ist, wie das Leben selbst, dynamisch, und es ist sehr davon abhängig, wie die Verbindungen sind, die ich zu den Menschen, Tatsachen und Dingen in meinem Leben habe.
Wenn sich radikal sehr viel im eigenen Leben ändert, ordnen sich diese Verhältnisse sehr radikal neu, denn bestimmte Verbindungen sind nicht mehr zu halten, und neue kommen dazu.
Es ist ein krasser Vorgang, denn mitunter versteht man erst gar nicht, dass man für das eine oder das andere gar nicht mehr verantwortlich ist, weil die eigene Möglichkeit, eine Verbindung mit dieser Tatsache des Lebens zu halten, nicht mehr gegeben ist.
Für mich kocht es sich runter auf die einfache Formel:
Womit bin ich als der Mensch, der ich heute bin, wirklich verbunden? Was sind die Dinge, mit denen ich gerne verbunden wäre, es aber eigentlich nicht bin? Und was sind jene, die mir durch andere angebamselt werden, die aber auch nicht meine sind?
Sehe ich das klar und erlaube mir, mein Kontextnetz als tatsächlichen Massstab ernst zu nehmen, eröffnet sich mir auf einmal die Möglichkeit, alles andere loszulassen und die verbleibende Kraft für das einzusetzen, womit ich tatsächlich (noch) verbunden bin. Es bilden sich so, in den richtigen Proportionen, ein neues Gefüge von Verantwortlichkeit.
Und das kann sehr unpopuläre Sachen mit sich bringen – wie ehrlich und mutig zu pacen, mein Kind durch seinen eigenen Widerstand durch eine Therapie zu tragen, von der es so unglaublich profitiert, oder ganz profan den Müll runterzubringen.
