Meine Erkrankung entpuppt sich manchmal als wahrer Segen. Aktuell dadurch, dass ich so viel besser verstehen kann, was bei einem sterbenden Menschen passiert. Denn auch wenn ich hoffentlich noch weit von meinem eigenen Todesmoment entfernt bin, kenne ich einiges von dem, was passiert, wenn im Sterben die Kräfte weniger werden.
Zeit und Raum kann man nicht mehr zusammenhalten. Man sieht den Dreck in der eigenen Wohnung genauso wenig wie die Flecken auf dem Pullover. Frisur und Aussehen sind einem egal. Man ist im Moment zwar ganz präsent und erlebt sich auch so, aber die Kraft reicht nicht, um sich später daran zu erinnern.
Das Gesichtsfeld des Lebens zieht sich zu einem winzigen Brennpunkt zusammen und manchmal ist dann da nur noch Bett und Klo.
Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich gerade so viel Kraft habe, dass ich diesen geliebten Menschen, der gerade seinen letzten Weg geht, ganz in meinem Gesichtsfeld meines Lebens haben kann.
Und auch hier macht mich meine aus meiner wenigen Kraft geborene Klarsicht frei.
Ich weiss, was kommt, und bin bereit. Denn nur mit dem pragmatischen, eng geknüpften Sicherheitsnetz habe ich eine Chance, mein Leben zu leben!
