Pläne

Jeder komplexere Lebensvollzug sprengt mein System, da es zu viele Aspekte gibt, die mein Nervensystem stimulieren und auch meine kognitiven Kräfte überfordern.

Passiert etwas Ungeplantes, kann ich nicht auf die gewohnte, neutrale Gleichzeitigkeit aus gesunden Tagen zurückgreifen – jene, die wie von selbst die Aspekte einer Situation priorisiert und zu vernachlässigende Gedanken und Gefühle der dazugehörigen Geschichten ignoriert. Jetzt ballern alle Aspekte der Situation auf mich ein, und jeder einzelne löst eine erschütternde Explosion aus. Eine für die Seele notwendige Ordnung kann ich mangels genügender Kräfte nicht herstellen.

Das innere Chaos und die Überforderung sind vorprogrammiert. Ich kann dann sehr schnell keine sinnvolle Reihenfolge der Gedanken und Handlungen mehr festlegen.

Situationen, die mehrere Menschen betreffen, sind besonders schwierig für mich, da die Geschichten komplexer sind. Gefühle der Schuld, des Ungenügens und der nicht korrekt wahrgenommenen Verantwortung können mich regelrecht umhauen. Aber auch Wut und Unverständnis für die Handlungen anderer können mich lähmen.

Der gesunde Teil in mir weiss, dass auch dies alles nur eine hässliche Farbnuance meiner Erkrankung ist – und dass sie auch wieder vergeht. Aushalten muss ich es trotzdem, und das macht das Leben zu einem eher unangenehmen Vorgang, der Zeit kostet.

Das Positive an der Situation ist, dass ich gelernt habe: Aus mangelnder Kraft – und einfach, weil es das Sinnvollste ist, was ich tun kann – auf die Fakten zu schauen. Den Luxus, alle Geschichten und Gefühle zum Wieso und Warum und wer Schuld hat, kann ich mir nicht leisten. Und mir scheint, dass sie sowieso viel irrelevanter sind, als ich immer dachte – denn es ist, wie es ist, und von dort geht es weiter.

Und so komme ich zu einer neuen Neutralität – nicht jene, die ich einst kannte und die mir die Geschichten zur Situation sortierte, sondern einer, die mich frei macht, das Leben so zu nehmen, wie es nun einmal ist.