Pausen

Es gibt so Dinge im Leben, die man zwar auf einer gewissen Ebene versteht, aber man kann keinen wirklichen Begriff dafür in sich bilden. Manche dieser Dinge oder auch Fragen begleiten einen so halbbewusst ein Leben lang, und irgendwann versteht man es.

Ich habe zum Beispiel wirklich mindestens 35 Jahre nicht begriffen, was mit «Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht» gemeint war. Erst als meine altvertrauten, selbstverständlichen Gewohnheiten, die mir bisher das Leben immer ermöglicht haben, «kaputt» waren, habe ich begriffen, was es meint.

Um meine gesundheitliche Situation zu verbessern, habe ich 2023 an Teilen einer ergotherapeutischen Energiemanagement-Schulung teilgenommen. In der Gruppe wurden verschiedene Arten von Pausen besprochen. Ich weiss noch, wie ich da sass und dachte: Wovon reden die denn da? Was soll denn eine ruhige und/oder aktive Pause sein?

Ich habe es bis heute nicht begriffen, aber verstanden, dass ich eben auch gar keine Pause habe oder machen kann. Denn eine Pause hat man nur dann gemacht, wenn sich an diesen Moment so etwas wie Erkraftung anschliesst. Mit ME/CFS ist das aber – zumindest bei mir – nie der Fall. Man durchlebt Erschöpfung 24/7 und kann maximal am Ausmass der Erschöpfung etwas tun, aber nicht durch Pausen Kraft gewinnen.