Kompost

Puh… es kann wirklich eindrücklich sein, wenn man mit Dingen konfrontiert ist, die – sobald der Energielevel fällt – einfach liegen bleiben.

Ein typisches Beispiel sind die unbezahlten Rechnungen, die nicht gemachte Ablage, die Wäscheberge, die mit frischem Geschirr blockierte Spülmaschine – oder, wie heute endlich angegangen: der seit Monaten auf dem Balkon sich in Metamorphose befindende Kompostabfall, für den ich im Sommer keine Kraft mehr hatte.

Im Frühling, als ich eine gute Phase hatte, war ich so stolz, dass ich nach drei Jahren endlich wieder die Kraft hatte, den Kompost in den Garten zu bringen. Die Freude hielt dann leider nicht sooo lange, und irgendein Crash liess den Kompost in Vergessenheit geraten – bis er in der prallen Sonne ein Eigenleben begann, und heute endlich seinen Weg in den Garten gefunden hat.

Unfassbar. Und in solchen Momenten muss ich immer an die Geschichte aus den apokryphen Schriften der Bibel denken, wo Jesus zu seinen Anhängern sagt – als sie an einem stinkenden, verwesenden Hund vorbeilaufen und sich elend ekeln:«Aber schaut, die Zähne des Hundes sind strahlend schön.»

Denn auch ich bin fasziniert, wie das Hässliche Schönheit in sich tragen kann – im ganz bildlichen Sinne, aber auch im übertragenen. Die Metamorphose von Biomasse ist faszinierend – und sinnbildlich zugleich. Mein perfektionistisches, altes Selbst hätte sich in den oben beschriebenen Zuständen nie zurechtgefunden, geschweige denn darin etwas Schönes sehen können.

Heute kann ich beides. Mein perfektionistisches Selbst kann loslassen und akzeptieren, dass es so ist, wie es ist – und mein neuer Blick auf das Leben zaubert mir das Staunen und das Schöne zurück in die Seele.