Meine erste grosse Liebe habe ich damals verlassen, und er war fürchterlich geknickt. Ich war es auch, aber ich wusste, dass es so das Beste ist – was es auch war.
Er hat mir dann eine «Guten-Morgen-Nachricht» an die Wand der Autobahnunterführung gesprayt, durch die ich jeden Tag zur Schule fuhr. So musste ich also mindestens dieses eine Mal am Tag an ihn denken. Am Anfang war es schwer, und jedes Mal war es ein wilder Tumult der Gefühle, der von fürchterlichem Vermissen bis Wut reichte.
Ich denke oft an diesen Lernmoment zurück. Ich habe früh – und nicht nur durch diese Situation – im Leben gelernt, dass man sich die Tatsachen des Lebens so oft vorhalten muss, bis sie nicht mehr wehtun; erst dann sind sie vorbei.
Davon profitiere ich noch heute. Denn nur wenn ich diese echte Neutralität den Tatsachen meines Lebens gegenüber finde, indem ich die Gefühle durch mich hindurchlasse, bin ich frei.
Es gibt keine Abkürzung.
Aktuell verdaue ich eine weitere Situation des totalen Blackouts. Überfordert und orientierungslos stand ich gestern wieder am Aeschenplatz und musste einsehen, dass ich es nicht mehr rechtzeitig zum Termin schaffe, den ich mir zu allem Überfluss auch noch falsch eingetragen hatte.
Auch jetzt bin ich im Sturm der Gefühle, die von Scham und Trauer bis Wut reichen. Ich vermisse mein altes Selbst, das alles konnte, und weiss aber auch, dass ich heute wie damals darauf vertrauen kann, dass sich der Sturm der Gefühle legt und ich mit den Tatsachen des Lebens leben können werde. Denn ich, die ich bin, werde nicht darin verloren gehen.
