Mit Widersprüchlichem leben zu können, ist eine neue Superkraft von mir.
Früher war ich eher nur in dem einen oder dem anderen, und irgendwie erschien es mir auch immer erstrebenswert, diese Trennung zu erreichen.
Heute, aus Ermangelung an Kraft, ist einfach alles gleichzeitig, auch wenn es widersprüchlich ist. Und da ich so reizreduziert leben muss, kann ich viel stärker erleben, wie ich zu den Tatsachen des Lebens wie eine neue Neutralität gewinne.
Es trennt sich heute nicht mehr ich und mein Gefühl von anderen Gefühlen, sondern vielmehr ich mich von allen Gefühlen, die ich dadurch aber paradoxerweise viel stärker wahrnehme und ich so zu der Erkenntnis komme, dass ich nicht meine Gefühle bin.
Ich bin wie eine eigene Einheit und erlebe nur, was an Gefühlen und Eindrücken alles als Möglichkeit da ist. Zu manchen Gefühlen fühle ich mich mehr hingezogen als zu anderen, aber am Ende bin ich frei zu wählen, womit ich mich tatsächlich verbinde.
Das ist eine neue Freiheit und eröffnet mir einen ganz anderen Umgang mit mir selber. Die Tatsachen des Lebens kann ich dadurch nicht ändern, aber ich kann einen seelischen Reichtum zulassen, von dem ich mich vorher immer abgeschnitten habe.
Und es bleibt die Erkenntnis, dass ich viel weniger muss, als ich immer denke!
