Gelbes Auto

Mein Kind spielt gerade so gerne das Gelbe-Auto-Spiel. Es ist sehr einfach. Man muss als Erstes den anderen am Arm berühren, wenn man ein gelbes Auto sieht.

Es ist unglaublich, was ich dadurch, dass es im Spiel ja wie herausgelöst aus meinem Leben ist, über meine Erkrankung gelernt habe. Denn das, was in mir beim Spielen dieses Spiels passiert, passiert pausenlos, wenn sich auch nur ganz leise Zeitdruck oder eine komplexere Situation, eine kleine Unstimmigkeit oder nur eine gedrückte Atmosphäre in mein Leben schiebt.

Es ist so krass, was dieses Spiel mit mir macht, denn es versetzt mich wirklich in echte Panik. Und ich weiß, dass ich diese Panik nicht haben müsste. Intellektuell verstehe ich das. Und ich bin auch mit allem, was ich an Willen aufbieten kann, gewillt, nicht in diese nervöse Hyperaufmerksamkeit zu geraten (was schwer ist, wenn man als Erste etwas sehen und am schnellsten reagieren soll) und mich auch nicht zu erschrecken, wenn ich als Erste abgeschlagen werde.

Jedes Mal, wirklich jedes Mal, ist es, als würde es um Leben und Tod gehen.

Es ist so irrational und absurd. Und eben einfach eine Facette meiner Erkrankung!

Denn bei ME/CFS verliert das Nervensystem seine natürliche Balance und gerät völlig aus dem Takt. Der ganze Mensch befindet sich in einer dauerhaften Alarmbereitschaft und reagiert auf kleinste Reize oder Anstrengungen, als wäre man in großer Gefahr. Man ist so unfassbar schreckhaft – selbst bei alltäglichen Geräuschen oder Bewegungen reagiert man, als wäre man in Lebensgefahr. Gleichzeitig ist die automatische Steuerung des Körpers so gestört, dass er nur schwer in den Entspannungsmodus findet.