Dinge

Wenn die Welt aussen ruhiger wird, wird sie innen bedeutsamer.

Ich meine das nicht nur im übertragenen Sinne. Wenn man überwiegend hausgebunden ist und die Wohnung nur für Termine verlässt, die die Gesundheit oder das eigene Kind betreffen, wird alles, was in der eigenen Wohnung ist, bedeutsamer. Man verbindet sich ganz anders damit bzw. man nimmt die Attribute, die zu den Dingen gehören, viel präziser wahr.

Sehr viele Sachen begleiten mich in meinem Leben schon sehr lange, und schon immer habe ich mich darüber gefreut, wenn in meinen Sedimentschichten von Dingen Erinnerungsstücke auftauchen. Und jetzt, wo ich kaum noch Dinge von aussen mit nach drinnen nehme, merke ich, wie Geschenke, die von aussen zu mir in die Wohnung kommen, ein ganz anderes Leben mit mir haben als noch zu gesunden Zeiten.

Nicht, dass ich Geschenke vorher nicht auch zu schätzen gewusst hätte, aber heute gehen in mir wirklich neue Welten auf.

Ein schönes Beispiel dafür ist das Geschenk von meiner Freundin. Ein eigentlich vor allem praktische und schöne Geschirrtusch. Es macht eine Welt des Staunens und der Demut in mir auf, die ich als gesunde und viel beschäftigte Frau wahrscheinlich nie erlebt hätte. Denn dieses Handtuch wurde von einem Menschen in Basel mit der Hand selber gewebt, vielleicht auch selber gefärbt. Was das bedeutet und wie ich es als Ehre empfinden kann, dass dieser Mensch seine Lebenszeit in einen so schönen Gegenstand geschenkt hat, den ich jetzt in meinem Alltag benutzen darf, erfüllt mich mit einer Freude, die mir vorher unbekannt war.