Comeback

Als ich Kind war, gab es jeden Samstag Kartoffelsuppe, und ich habe sie gehasst. Es war Tradition in der Familie. Entstanden dadurch, dass es im und nach dem Krieg einfach so ein Mangel und Armut herrschte, dass man am Samstag alle Reste von der Woche mit Kartoffeln in einem Eintopf verkocht hat.

Als ich Kind war, war das schon lange nicht mehr so, aber trotzdem gab es Kartoffelsuppe. Jeden Samstag. Als ich ausgezogen bin, war das das Erste, was ich nie, wirklich nie wieder gegessen habe.

Und jetzt feiert diese Suppe ein Comeback in meinem Leben. Und es ist so lustig, ich habe es erst gar nicht gemerkt, dass ich genau das tue, was meine Vorfahren vor 80 Jahren auch gemacht haben. Nicht unbedingt samstags, sondern wann immer ich finde, dass die Reste jetzt noch weg müssen.

Mein Leben hat sich wirklich in allen Bereichen reduziert. Auch beim Essen. Das hat nicht nur finanzielle Gründe, sondern liegt vor allem an der mangelnden Kraft.

Die Einfachheit, die sich durch die günstigen Nachkriegsrezepte meiner Mutter, die Kartoffelsuppe, das Essen von der Tafel sowie der präziseren Planung in meinem Leben ergibt, ist auf allen Ebenen unglaublich erleichternd, und ich bin dankbar, dass ich in diese Formen zurückfallen darf. Es berührt mich, dass sich dadurch aber auch ein völlig unerwartetes Gefühl der Geborgenheit und des Getragenseins ergibt, was ich nie erwartet hätte.

Das Leben macht Sinn, und in jedem Comeback gibt es Chancen, etwas zu entdecken und zu verstehen. Jede Runde, auch die verhasste Kartoffelsuppe, lohnt sich, wenn man in der inneren Stille und Geborgenheit auf die Dinge schauen kann und entdecken kann, wer man wirklich ist.