Meine schon immer mir liegende Freude, zu beobachten, wie meine Seele so funktioniert, zusammen mit der massiven Verlangsamung und den erschöpfungsbedingten Handlungseinschränkungen sind die perfekte Grundlage, um noch ein Quäntchen besser herauszubekommen, wer ich eigentlich bin und wie meine (nicht immer geschickte) Verbindung zur Welt gebaut ist.
Heute Morgen habe ich nun ohne Groll die Bücher, die seit Monaten auf unseren Briefkästen liegen, ins Altpapier getan. Diesen Akt hätte ich in gesunden Tagen ganz bestimmt auch vollzogen, wahrscheinlich schon nach zwei Wochen, dann allerdings mit dem Gefühl der Überheblichkeit und einer Anklage an die Welt, dass sie nicht so ist, wie ich finde, dass sie sein solle. Auch wäre bestimmt ein Gefühl der Genugtuung dabei gewesen, dass ich ja jetzt „das Richtige“ tue.
Die letzten Monate haben mich die Bücher immer ein wenig geärgert. Ich fand, die Person, die sie dort hingelegt hat, solle die Verantwortung dafür übernehmen und sie dorthin tun, wo sie hingehören. Wie abhängig ich mich damit von den Büchern und der dazugehörenden Person mache, wie viele völlig unnötige und absurde Gedanken ich mir darum mache und welche Gefühle dadurch in mir aufblitzen, wird gerade wegen meiner Erschöpfung und Beschränktheit so klar!
Was für ein Hirnfuck! Wofür eigentlich?
Die Antwort darauf ist nicht besonders glorreich: Ich will, dass die Welt so ist, wie ich sie haben will, und bin nicht geneigt, sie einfach so zu akzeptieren, wie sie nun mal ist.
Schafft man es, die Welt mit allem zuerst einmal so anzunehmen, wie sie ist, und reagiert man gemäss den eigenen Werten und der inneren Haltung auf sie, kann man die Bücher ganz ohne Groll, einfach weil man es schön findet, ins Altpapier legen.
