Der Begriff stammt ursprünglich aus der Mathematik, wird jedoch auch in anderen wissenschaftlichen Disziplinen verwendet. Vereinfacht gesagt bezeichnet er den Kipppunkt, an dem ein bis dahin stabiles System gezwungen ist, einen neuen Zustand zu finden – was entweder ins Chaos oder in ein neues Verhalten führt.
Gerade kippt die Ordnung in meiner Wohnung wieder ins Chaos. Eine Folge davon, dass mein fragiles Kräfte- und Pacingsystem durch zu viele ungeplante Ereignisse aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Der grosse, durch Covid herbeigeführte Bifurkationspunkt ist – mit ausreichend Abstand betrachtet – etwas ungemein Aufregendes. Alles, was vor diesem Kipppunkt galt, gilt nicht mehr. Alle etablierten Systeme funktionierten nicht mehr. Es herrscht Chaos, und eine neue Ordnung muss sich erst etablieren.
Mit vier Jahren Erfahrung kann ich sagen: Mein Covid-Bifurkationspunkt hat dazu geführt, dass mir alles genommen wurde, was mir bis dahin half, meine Lebensschwächen zu kompensieren. Ohne diese Kompensationsmöglichkeiten steht man völlig unerfahren da. Alles, was man nicht kann, wird offenbar, und man muss es von Grund auf neu lernen.
Wenn es gelingt, das Chaos auszuhalten, mit einer gewissen Spielfreude immer wieder neu zu probieren, Rückschläge auszuhalten und auszuwerten, die Vorläufigkeit einer Einsicht zu akzeptieren und die offenbaren wie auch sehr limitierten Rahmenbedingungen anzuerkennen, entsteht ein neuer Grund. Er ist anders als der altbekannte – aber er trägt. Nur eben die leichtere, einfachere Version von mir und meinem Leben.
