Amseln

Hitze ist etwas, das ich, seit ich krank bin, nicht mehr gut vertrage. Sie nimmt mir einfach zusätzlich Kraft, und wenn die Hitze auch noch am Wochenende zuschlägt, wird es ganz übel. Denn das Wochenende gehört ja bekanntlich ganz meinem Sohn und erlaubt mir dadurch schon viel weniger Rückzug, Schonung und Ruhe als unter der Woche.

Letztes Wochenende hat also sein Tribut gezollt, ich war wieder ganz im „Funktionsmodus“, bei dem ich mich einfach von Moment zu Moment hangle, ohne wirklich anwesend sein zu können. Und dass doch die Schönheit der Welt ganz bis in mein Innerstes vorgedrungen ist, zeugt von der besonderen Qualität des Augenblicks.

Als ich kurz alleine im Garten war, hörte ich einen Vogel im Garten rufen, und schon sah ich, dass es eine ganze kleine Vogelbande war, die da zusammen unterwegs war. Es waren kleine Jungamseln, die wahrscheinlich gerade die ersten Male das Nest verlassen hatten. Sie riefen sich und flogen recht unbeholfen durch den Garten. Eine sass ganz lange auf dem Rand des Dachs, und ein Geschwisterchen kam zu ihr, wie um ihr zu zeigen, wie es von dort wieder wegkommt. Es war etwas so Beglückendes, diese Versuche und das Zusammenspiel zu beobachten. Und immer wieder flog auch eine erwachsene Amsel in den Garten und vom Rasen wieder hoch zu den Ästen, wo die Jungtiere sassen. So schön zu sehen, wie das Leben sich entwickelt und wie es seinen Lauf nimmt.

Ich fühle die Freude, das beobachtet haben zu dürfen, noch heute in mir.
Was für ein schönes Geschenk der Welt!