Ich glaube, dass man das eigene Gestörtsein von neuen Formen, veränderten Abläufen und/oder neuen Systemen als guten Gradmesser fürs eigene Älterwerden nehmen kann. Wie sehr stören einen die Veränderungen – also wie weit unterscheidet sich das heutige So-Sein von dem, was man als junger Mensch gelernt und als grundlegendes Verständnis angeeignet hat?
Wie haben sich die zugrunde liegenden Werte gewandelt, und ist man fähig, diesen nachzuvollziehen? Je besser man dies kann, desto weniger hat man das Gefühl, alt zu sein und nicht mehr teilhaben zu können.
Die erste Phase des Alters ist, dass man alles vertrauensvoll mitmacht, aber bemerkt, dass es anders ist. Die zweite ist, dass man irritiert ist und aktiv neu kontextualisiert, den Wandel adaptiert und sich neu ausrichtet. Die letzte ist dann, dass man anerkennt, dass man das nicht mehr kann, und dann hoffentlich gute Menschen an der Seite hat, die einem Orientierung und Vertrauen schenken.
Durch eine Erkrankung wie ME/CFS kommt umso mehr in die Sichtbarkeit, wie sehr die eigene seelische Beweglichkeit und gute Freunde Grundlage dafür sind, wie gross die eigene Zufriedenheit mit dem geänderten Leben ist, was eben nicht mehr wie selbstverständlich zusammengehalten ist.
