Bauchgefühl

Ich bin ein recht intuitiver Mensch und kann mich auf meine Intuitionen recht gut verlassen.

Und doch gibt es Situationen im Leben, die mir gezeigt haben, dass zu einem Bauchgefühl doch noch mehr gehören kann als die Klarheit, die es einem vermeintlich gibt.

Ich bin so froh, dass ein besonnener, deutungsoffener Blick und ein wenig Distanz dazu führen können, dass man erkennt, welche Gefühle und Regungen auch noch zu dem Bauchgefühl dazugehören, die eigentlich nur mit mir und nicht mit den Tatsachen des Lebens zu tun haben.

Mit einem dysregulierten Nervensystem ist es umso wichtiger, sich von innen Richtung zu geben, sich gemäss der eigenen Lebenshaltung zu entwickeln und bereit zu sein, die erste Reaktion auf die Fakten des Lebens wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen, aber nicht unbedingt automatisch dieser Reaktion gemäss zu handeln, sondern sich anstattdessen in das grosse Vertrauen in die Richtigkeit der Welt zu lehnen.

Es ist ein tägliches Übfeld für mich und kostet so viel zusätzliche Kraft, denn wie stoppt man denn die rasenden Gedanken, die Panik, das innere Getriebensein, etwas zu tun, damit es besser wird?

Ich crashe ganz regelmässig in dem Versuch, die richtige Balance zu finden, und doch gelingt es auch immer wieder, und ich gewinne ein wenig Souveränität zurück, da ich immer mehr akzeptiere, dass ich in meinem Leben einfach nur all das antreffe, um die zu werden, die ich bin.

Und so zeigt mir mein Bauchgefühl eben auch, dass es vor allem etwas über mich sagt und wie ich mich aus meinem So-geworden-Sein zu den Tatsachen des Lebens stelle und warum. Erkenne ich das, bin ich wieder frei, und egal wie ich mich entscheide, ist es richtig, denn es gehört alles zu meinem Leben.