Gestern kam meine Freundin zu besuch und brachte mir einen wunderschönen Frühlingsblumenstrauss! Er ist wunderschön und macht mir so viel Freude!
Es mag absurd wirken, dass meine Realität so ist, dass ich am Tag kaum Verpflichtungen habe und trotzdem am Frühlingstreiben draussen nicht wirklich teilhaben kann.
Spaziergänge liegen gerade nicht drin. Denn körperliche, geistige und/oder emotionale Anstrengung über eine gewisse Grenze hinaus – über meine Baseline – führen oft, und leider manchmal auch erst verzögert, zu einer Symptomverschlechterung. Medizinisch nennt man das PEM (Post-Exertional Malaise), im Alltag einfach Crash. Dann ist wieder nur Nichts-Tun und Warten auf Besserung möglich. Oft auch einfach nur im Dunkeln im Bett.
Die Regel ist also einfach: Je besser ich meine Baseline kenne – das heisst, mir körperlich, geistig und/oder emotional nur so viel zumute, dass ich sie nicht überschreite – desto eher kann ich Überlastung und Zusammenbrüche vermeiden. Meist zumindest in ihrer Schwere, manchmal sogar ganz. Das bedeutet, mich eisern daran zu halten, was ich weiss – und nicht daran, was ich möchte oder sollte.
Durch diese Krankheit habe ich gelernt, nicht auf meinen Körper zu hören im Sinne von in ihn hineinzuspüren, wie man es vielleicht bei anderen Krankheiten macht, sondern ihn eher als Resonanzkörper zu verstehen. Springt der Tinnitus eine Oktave hoch: Notstopp. Tun die Kleider auf der Haut weh: ab ins Bett. Sind die Kopfschmerzen beim Aufwachen stärker als gewohnt: alle vermeidbaren sensorischen Reize vermeiden.
Wenn ich innerhalb der nun geltenden Grenzen bleibe, kann ich das, was mein Leben heute ist, gut leben – und mich auch am Frühling freuen. Auch wenn dieser durch meine Türe kommt und ich nicht zu ihm hinaus.
