Wenn man erschöpft ist und eine niedrige Aufmerksamkeitsspanne hat, darf man die Küche einfach nicht verlassen, wenn man kocht!
Die Erfahrung macht man schnell, und da man ja noch bedingt lernfähig ist (man hat ja keine Demenz), schaffe ich es eigentlich inzwischen immer, nahe am Prozess zu bleiben, den ich gerade mache.
Malheurs mit verbranntem Essen passieren deswegen nur noch selten, aber wenn, dann fahren sie einem richtig ein. Es ist vor allem der Bewusstseinsprozess, der so erschütternd ist. Denn oft dauert es erschreckend lange, bis man erkennt, dass man mit dem Geruch von verbranntem Essen etwas zu tun hat.
Ich weiss, es klingt vollkommen absurd, aber es ist dann tatsächlich so, dass man eher an den Nachbarn denkt, als dass man sich erinnert, dass man selber gerade kocht!
Dieser seltsam langsame Prozess im eigenen Bewusstsein, der erst assoziativ und dann logisch alle Schritte vollzieht, bis bei einem ankommt, dass man selber damit etwas zu tun hat, ist es, was einen erschüttert – nicht so sehr das angebrannte Essen. Diese Lücke im Bewusstsein, die man nur durch logische Herleitung schliessen kann, aber nicht durch die doch eigentlich selbstverständliche Erinnerung des kontinuierlichen Bewusstseins.
Damit einen das nicht zu sehr durchrüttelt, hilft: Humor, Grosszügigkeit und Gleichmut, denn es ist ja eigentlich nichts passiert, und ich bin immer noch ICH, auch wenn mir dieses Stück erinnerbaren Lebensvollzugs fehlt.
