Warum gehen Rentner immer am Samstag einkaufen? Wieso müssen sie einen fixen Waschtag haben? Wieso ärgern sie sich über spielende Kinder und über Musik, die man beim Putzen etwas lauter hört? Das habe ich mich früher immer gefragt.
Heute, wo ich selber keine Musik mehr ertrage, weiss ich es. Und das nicht nur, weil ich selber offiziell Rentnerin bin, sondern weil auch mir nur noch 30–40 % der früheren Kräfte zur Verfügung stehen – ähnlich wie bei älteren Personen.
Und wenn die Kräfte schwinden, ersetzt Rhythmus die Kraft. Alles, was nicht muss, wird gelassen, und alles, was ein zu starker Reiz ist, belastet das fragile Kräftesystem und ist kaum auszuhalten.
Wer diese Reduktion erfährt, hat zwei Möglichkeiten: Die eine ist, sich anzupassen und zu schauen, wie das Leben mit all den Einschränkungen doch noch geht. Die andere ist, zu verlangen, dass sich die Welt so verändert, dass es für einen selber passt.
Leider, scheint mir, ist diese Wahl nur eine theoretische, denn die grundsätzliche Haltung zum Leben zu verändern, braucht sehr viel Kraft und Ausdauer, und das Gemeine ist, dass, wenn die Kraft erst einmal fehlt, das nicht mehr zu leisten ist.
Ich erahne, dass, wer im Leben bereit ist, für seine Lebensbelange die Verantwortung zu übernehmen und weniger das Gefühl in sich kultiviert hat, das Leben schulde einem etwas, es wahrscheinlich eher schafft, sich anzupassen und die Lebenszufriedenheit auch in diese neue Lebensphase mitzunehmen. Wer das im bisherigen Leben nicht so konnte, wird es deutlich schwerer haben, und sich ehr motzend auf dem Balkon vorfinden, wenn die Kinder draussen fröhlich und manchmal auch laut spielen.
