Sammeln

Ich habe eine heimliche Sammelleidenschaft. Zum Glück nur eine – und die auch nicht obsessiv. Aber, wie mir bestätigt wurde, sei diese etwas skurril.

Ich sammle, seit meinem 14. Lebensjahr, Hygiene-Beutel. Was das ist? Wissen wohl mit Sicherheit alle Frauen und vielleicht auch ein paar Männer. Es sind die Beutel, die man in jeder guten öffentlichen Toilette für die Entlastung der Umwelt und das Handling von Hygieneprodukten vorfindet.

Aus irgendeinem, nicht näher zu erinnernden Grund sammle ich diese Tüten und nehme immer eine mit, wenn sie mir begegnen. Inzwischen habe ich zwei dicke Ordner voll davon, und es gäbe viel über die Produktentwicklung in diesem Bereich zu sagen. Und es scheint auch eine gewisse Monopolstellung in der Produktion zu geben und wenig Innovationskraft im Design – bis auf ein paar Ausreisser.

Mich fasziniert, wie mich diese stille Leidenschaft seit 36 Jahren begleitet und wie an den Sammlerschätzen auch etwas von meiner Biografie abzulesen ist. Der Beginn meines Erwachsenenlebens ist damit klar markiert, meine Auslandsaufenthalte – btw, jedes Land hat seine ganz eigene Kultur im Umgang damit – und auch, wie viel ich zu Hause bin und/oder an dieselben Orte gehe. Denn natürlich nehme ich nur Modelle mit, die ich noch nicht habe!

Gestern also ein Freudentag: Im Unispital habe ich eine neue Tüte entdeckt. Altes Design, aber in toller neuer Farbe. Victory! Eine echte Erweiterung meiner Sammlung.

Eben, als ich sie auf meinem Schreibtisch sah, wurde mir klar, dass das meine erste Tüte seit 4 Jahren ist – und damit spiegelt sie auch diesen, zum grössten Teil ja hausgebundenen, Abschnitt meiner Biografie perfekt wider.