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Im Jahr 2022 war ich das erste Mal wegen Post Covid in der Klinik Arlesheim. Mein Arzt dort fragte mich, ob ich für das Magazin Anthrosana einen Bericht schreiben könnte, wie es ist, mit der Erkrankung zu leben.

Ich weiss nicht, woher ich es damals schon so genau wusste, aber diese Passage ist für mich die essenzielle:

„Was man selber machen muss und auch nur ganz alleine machen kann, ist, die körperliche Gesundheit und alles, was ihr zuträgt, in den Vordergrund zu stellen. Der eigene alltägliche Wille und der Wunsch, etwas tun zu wollen, müssen ruhen. Man muss sich im Loslassen üben. Sich in sein Schicksal ergeben. Und das ganz. 98 Prozent reichen nicht.

Sich ganz in das Vertrauen zu ergeben, dass man nichts kontrollieren, beschleunigen und erlebt haben kann, nur weil man es gedacht hat. Alles, egal wie es wird, ist gut. Wenn einem das gelingt, tritt eine Ruhe ein, in der sich die Dinge ereignen, die zum Gesunden entscheidend sind. Durch Post Covid fliegt man einmal auseinander, und im 100-prozentigen Loslassen, der einsetzenden Ruhe, dem grossen NICHTS, wird sich ein neuer Zusammenbau ergeben, der für den nächsten Lebensbogen die Grundlage bildet.“

Jetzt, mit inzwischen vier Jahren mehr Krankheitserfahrung, kann ich sagen, dass das wirkliche Wunder ist, dass man dadurch, dass man seine körperlichen Grenzen ernst nimmt, einem durch die Hintertüre auch zukommt, sich auch in anderen Bereichen des Lebens besser zu spüren und zu merken, was einem eigentlich gut tut und welche Gewohnheit einem noch nie zuträglich war. Man hat sie aber trotzdem so gelebt, weil es ja immer genügend Kraft gab, aus anderen Lebensbereichen gegen sich selber anzuleben.

Link zum Heft von Anthrosana mit verschiedenen Texten zu Post Covid:
https://www.anthrosana.ch/cgi-bin/anthrosana/shop/shop.pl?action=product&id=11388&language=de&offer=push